Die Stoa und die Sieben Weltwunder

thik,
Logik und Physik bilden, wenn auch
mit unterschiedlichen Schwerpunkten, in jeder Phase der Stroa die drei
großen Teilbereiche. Eben durch diese uns heute schon fast
befremdlich anmutende Fülle stoischer Weltsicht ist
Jahrhunderte währende Stellung der Stoa als "Leitphilosophie
und Leitkultur" erklärbar. Die Physik beschreibt damals wie heute
die Erscheinungen der dinglichen Welt der Natur. Als Beispiel für
die Leistung der stoischen Physiker kann das Erkennen bzw.
Schlussfolgern über die Gestalt der Erde dienen.
Die Schriften des Geographen Strabon, der maßgeblich an der
Beschreibung der "Sieben Weltwunder" mitwirkte, lassen sich auf den
stoischen Wissenschaftler Poseidonios zurückführen,
einen Vertreter
der mittleren Stoa. Seine Ausführungen sind ein Beispiel
für die Aufgeklärtheit der antiken
Naturwissenschaftler. Im folgenden kleinen Absatz steckt die Welt der
physikalischen Spekulation, des Denkens und der sinnlichen
Wahrnehmung.
Die Welt ist eine Kugel

ass die Erde kugelförmig ist,
erkennt man unmittelbar aus dem Streben nach dem Mittelpunkt und
daraus, dass jeder Körper sich nach seinem Schwerpunkte neigt,
unmittelbar aber sieht man es an den Meeres- und Himmelserscheinungen.
Denn sowohl die sinnliche Wahrnehmung wie auch der normale menschliche
Verstand kann dies bezeugen. Offensichtlich nämlich verhindert
die Krümmung des Meeres, dass die Schiffsleute entfernte
Lichter sehen, die sich in gleicher Höhe wie ihre Augen
befinden.
Zitiert nach Wolfgang Weinkauf: Die Stoa, Pattloch Verlag 1994, S. 166.