Blinder Aktionismus

Sympathisch ist der Schreibstil der Sibylle Berg. Absichtlich wirft sie die Dinge so durcheinander, dass der Leser zum Nachdenken gezwungen wird. In ihrem jüngsten SPON-Artikel ruft sie zu einem blinden Aktionismus auf. Im Berg’schen Bewusstseinsstrom fließen die Erregung über wachsenden Antisemitismus, Steinigungen, Atommülltransporte, die Startbahn West und unterirdische Bahnanlagen ineinander. Weiterlesen

Ein Stoiker bei Anne Will

In einer Talkshow mit dem polemischen Titel “Betteln, Schnorren, Spenden sammeln – wird unser Mitleid ausgenutzt?”, saß ein Obdachloser auf der Anklagebank. Alleine gegen eine Gruppe von Menschen, die ihn seines Menschseins beraubten. Für sie war er “ein Fall”, aber keine Person. Weiterlesen

Waffen schaffen Wohlstand

Deutschlands Wohlstand beruht auch auf Waffenexporten. Unmoralisch sind sie trotzdem. Aus stoischer Sicht muss Deutschland weniger Wohlstand ertragen, um moralisch richtig zu handeln. Was wären die Folgen? Mit einer restriktiven Exportpolitik stünde weniger Geld für die soziale Absicherung der Schwächeren zur Verfügung. Wer würde in Deutschland am meisten leiden? Diejenigen, die sich nicht auf ihre Landgüter zurückziehen können. Radikale Pazifisten stammen zumeist aus besserem Hause.

Zyniker oder Stoiker

Der Unterschied zwischen den Zynikern und den Stoikern ist ihrer jeweiligen Haltung zur Veränderbarkeit der zwischenmenschlichen und politischen Verhältnisse zu finden. Beide stellen die Ethik in den Vordergrund, also die Betrachtung dessen, was der Mensch lassen oder tun sollte. Beide sind keine Fanatiker, keine blinden Idealisten. Doch während  der Stoiker noch an eine Veränderung glaubt, wenn auch nur in kleinen Schritten, hat der Zyniker jede Hoffnung aufgegeben. Der Mensch ist aus zynischer Perspektive in keinster Weise erziehbar. Passend dazu ist diese Anekdote über den berühmten Zyniker Diogenes überliefert:

“Als Diogenes einige Frauen, die Selbstmord begangen hatten, an einem Baum hängen sah, wünschte er sich: Ach wenn doch nur alle Ölbäume solche Früchte trügen.”

Panzer für Saudi-Arabien

Aus seinen Öleinnahmen darf sich der Scharia-Staat Saudi-Arabien kaufen, was andere Länder anbieten. Auf der Einkaufsliste steht der Leopard-Panzer aus Deutschland. Es existiert, trotz einiger vorgetäuschter Bedenken bei der SPD, ein weitgehender Konsens in der Großen Koalition, die deutschen Tötungsmaschinen zu liefern. Dass in der saudischen Rechtsordnung Steinigungen, Amputationen und Auspeitschungen vorgesehen sind, Weiterlesen

Veröffentlicht in: Ethik |

Wachstum über alles

Der Kapitalismus hat der Mehrzahl der Menschen in Europa, Nordamerika und Australien einen nie dagewesenen Wohlstand, Freiheit und innenpolitischen Frieden beschert, den Menschen in den anderen Kontinenten aber viel Leid. In Afrika, Asien und Lateinamerika profitiert nur die von uns gefütterte Elite. Die Masse der brasilianischen Bevölkerung kann sich den Eintritt zur Fußball-WM nicht leisten. Dort setzen Polizei und Militär die Ansprüche der Vermögenden durch. Und diejenigen, die sich alles leisten können, haben für die Armen Hohn und Spott übrig: “Ihr hattet die selben Chancen wie wir. Ihr seid nur zu faul”. Weiterlesen

Klimakirche

Mit stoischer Ruhe muss man ertragen können, was manche Prediger der Klimakirche an Metaphern emittieren:

„Der Hochgeschwindigkeitszug zur Minderung der Treibhausgase muss jetzt schnell losfahren […] die gesamte Weltgemeinschaft muss darauf aufspringen.“

Quelle: FR
Der Experte, der hier zum gefährlichen Eingriff in den Eisenbahnverkehr aufruft, ist Vorsitzender des Weltklimarates (IPCC).  Weiterlesen

Krise in der Ukraine

Der Stoiker Marc Aurel führte zwar als Kaiser eine Reihe von Kriegen, doch innerlich war er Weltbürger. In den Selbstbetrachtungen schreibt er:

“Wenn das Geistige uns gemeinsam ist, so ist uns auch die Vernunft […] gemeinsam; gilt dies, so ist die Welt ein Stadtstaat.”

Demnach hat niemand die Vernunft für sich gepachtet, und man darf sie deshalb auch niemendem absprechen. Weiterlesen

Kant und die Obdachlosen

Der liberale österreichische “Standard” beklagt in markigen Worten den Zustand eines Hauses östlich von Kaliningrad, wo der Philosoph Immanuel Kant einige Jahre gelebt hatte: “Es hausen jetzt Obdachlose – wo einst der Mensch Kant wohnte.” Die Obdachlosen werden als störende Elemente im Andenken an den großen Humanisten deklariert. Der Artikel endet mit einem flammenden Appell an Weiterlesen