Ethisch neutrale Waffen

stoiker-letzten Herbst erntete Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizère noch Stirnrunzeln, als er unbemannte Drohnen zu den "ethisch neutralen Waffen" zählte. Gewagt schien der Brückenschlag zwischen Tötungsmaschine und Ethik, denn dieser haftet immer noch der Gedanke an, dass Konflikte besser mit Vernunft als mit Sprengstoff zu lösen sind. Im Frühjahr 2013 bestimmt die Kampfdrohne wiederum die Debatte, doch diesmal ohne jeden Gedanken zum Ziel des Waffensystems.

Waffenbrüderschaft

Medien und Parteien, von konservativ bis stramm links, beschränken ihren Blick in trauter Einigkeit jetzt auf die Probleme der Drohnenfinanzierung und der Drohnenbeschaffung. So beklagt die linksliberale Berliner Zeitung, dass die "Luftwaffe schon in Feierlaune" gewesen sei. Doch Leserinnen und Leser brauchen sich nicht um das psychische Wohlbefinden der Soldatinnen und Soldaten zu sorgen, das wegen verzögerter Drohnenfreuden gelitten haben könnte. Denn ein Signal sendet der Verteidigungminister aus, sich rhetorisch der stoischen Begrifflichkeit bedienend. Man solle über die "Verzögerung bei der Beschaffung der Drohne mit Gelassenheit reagieren". Es müssten eben noch "rechtliche, ethische, technische und finanzielle Fragen" geklärt werden. Ethische Fragen?

Ethik mit Scheuklappen

Das Wort Ethik lässt einen breiten Interpretationsspielraum zu. Aus der Sicht der Rüstungsindustrie und der Gewerkschaften mag ethisches Handeln heißen, die Drohne funktionstüchtig auszuliefern und die fleißigen Ingenieure und Arbeiter in der Rüstungsfabrik gut zu bezahlen. Die ethische Diskussion der Grünen erschöpft sich im Wunsch, dass die Drohne nach dem Zerfetzen des Feindes keine Schadstoffe im Boden hinterlassen möge, die den Aufbau der biologisch-dynamischen Landwirtschaft gefährdet.
Wie auch immer man zu den derzeitigen und den kommenden Kriegen steht – Aufgabe der Philosophie ist es, Begriffe so zu definieren, dass ethische Debatten überhaupt geführt werden können. Ein Messer hat die Aufgabe, gut zu schneiden. Man kann es aber auch zum Töten verwenden. Eine Drohne hingegen ist nur als Waffe zu verwenden, niemals aber als Küchengerät.

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