Jahrhunderthochwasser

stoiker-wasser ist ein Teil der Natur. Auch wenn wir schnell von Extremhochwasser, Jahrhundert- oder Jahrtausendhochwasser sprechen, die Überflutungen gehören zu den gewöhnlichen Phänomenen der Natur, wie Vulkanausbrüche oder Erdbeben. Aus der Sicht der Stoa hat sich der Mensch der Natur zu fügen, und Grundstücke zeitweise oder auf Dauer an das Wasser zurückzugeben.

Die Gründe des Hochwassers

Es regnet nicht mehr als in anderen Jahren, es gibt kein Jahrhunderthochwasser. Die Natur holt sich nur zurück, was von den Menschen genommen wurde. Begradigte Flüsse, besiedelte Auen und verkleinerte Auslaufflächen sind die wahren, vorhersehbaren Gründe für die Flutkatastrophe. Vieles, was gegen das Hochwasser geplant und verwirklicht wurde, der Aufbau von Deichen und Dämmen, ist letztendlich sinnlos. Die Natur lässt sich nicht zwingen.

Hochwasserschutz paradox

Je arbeitsamer die Bewohner eines Ortes bei der Errichtung von Dämmen, desto schlimmer für die Nachbarn. Das eingezwängte, aufgestaute Wasser wütet flussabwärts mit umso stärkerer Kraft. Mehr Hochwasserschutz führt zu mehr Hochwasser. Das hektische Tun ohne Blick auf die Konsequenzen ist nicht die richtige Strategie. Der Stoiker versucht, sich mit dem Hochwasser zu arrangieren. Man sehe auf die alten Pegelmarkierungen an den Häusern. Wo das Wasser in den letzten 500 Jahren schon einmal war, und einige Handbreit darüber sollte ein Haus mit Fliesen verkleidet, und nur mit schnell transportierbaren Möbeln ausgestattet werden. Mit dem Wasser als Gast zu leben ist besser, als es ständig zu bekämpfen.

Hochwasser und Klima

Das Weltklima hat sich in den letzten Milliarden Jahren immer wieder gewandelt. In Grönland gab es einst Wiesen, und vielleicht wird man in 100 Jahren in Dänemark Wein anbauen können. Sich mit den Spekulationen über die Beeinflussung des Klimas durch den Menschen Gedanken zu machen, ist ein netter Zeitvertreib für Menschen, die gerne zu Klimakonferenzen fliegen, um sich dort verwöhnen zu lassen. Denn üppig sind die Buffets der Klimaretter bestückt, und mit Tagessatz, Spesenerstattung und kulturellem Rahmenprogramm debattiert es sich am schönsten.
Kaum ein Mensch erinnert sich noch an die ökologischen Hysteriewellen des letzten Jahrhunderts, an das Waldsterben und das Ozonloch, die großen Vorläufer der Klimakatastrophe. Das Waldsterben wurde durch das Herbeireden des Ozonlochs beendet, dass Ozonloch durch die Klimakatastrophe gestopft. 2020 wird das Klimathema durch eine neue Weltuntergangsthese abgelöst sein. Und wiederum werden sich alimentierte Vielflieger auf Konferenzen um die Lösung imaginärer Probleme bemühen. Im Schatten bleiben die realen Probleme der Menschheit: Überbevölkerung, Hunger und die Garantie der Freiheit von Folter, ebenso die echten ökologischen Fragen.

Der Verdienst des Menschen

Schwer erträglich ist es, wenn der Mensch „seinen Verdienst“, seine „Lebensleistung“ durch Hochwasser verliert, wenn Dinge, die über Jahre betrieben wurden, neu begonnen werden müssen. Besonders gilt dies für geistige Leistungen, die nicht oder nur schwer reproduzierbar sind. Bei den materiellen Dingen ist der Schmerz des Verlustes auszuhalten. Das Hochwasser nivelliert. Nicht jeder Mensch erreicht im Leben die Möglichkeit, einen materiellen Verlust zu beklagen zu dürfen. Es gibts so viele, die wenig Chancen haben und wenig Chancen nutzen, die Pech haben oder krank sind, oder sich nicht am Rennen um den materiellen Wohlstand beteiligen möchten. Dafür werden sie in unseren Breiten von der Gesellschaft verachtet. Sie verlieren durch das Hochwasser nichts.
stoiker-aber es gibt auch manche, die Güter zu Lasten von anderen erworben haben, was verwerflich ist. Und auch, wenn sie es sich selbst erarbeitet haben – es ist nicht jedem Menschen gegeben, in das Hamsterrad unserer Zeit zu steigen, um Reichtümer anzuhäufen. Die viel verloren haben, sind jetzt auf demselben Stand wie die, die nie angehäuft haben.

Das rechte Handeln

Das rechte Handeln heißt für den Stoiker, den vom Verlust betroffenen Menschen in jedem Fall zu helfen. Aber vielleicht mag der eine oder andere Eigentümer durch das Hochwasser über die Verteilung von Reichtum neu nachdenken. Der eine hat ein Haus und ein Auto verloren, der andere nie ein Haus oder ein Auto besessen. Der eigene Grund und Boden, der überschwemmt wurde, birgt auch Verantwortung für diejenigen, die keinen Grund und Boden besitzen. Zudem –  in der Schlussbilanz des Lebens muss alles wieder an die Natur zurückgegeben werden. Warum nicht ein wenig früher damit anfangen?

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