Krieg oder Stoa

In Not sind bald viele Mitarbeiter der Waffenschmiede EADS. Von fast 6000 gestrichenen Stellen spricht die FAZ. Die Zeitung nennt verschleiernd „schwindende Märkte“ als Ursache des Stellenabbaus. Dahinter verbirgt sich die derzeitige weltweite Abwesenheit des traditionellen Krieges. Krieg schafft wertvolle Arbeitsplätze in der Rüstungsindustrie. Ohne Krieg leiden die Waffenfabrikanten wie das Henkergewerbe, das in Deutschland nach Abschaffung der Todesstrafe völlig ausgestorben ist. Für die verantwortlichen Führungskräfte und die engagierten Mitarbeiter von EADS gibt es nun zwei Möglichkeiten, auf die Entwicklung zu reagieren – mit Hoffnung oder Fatalismus.

Hoffnung auf neuen Krieg

Geschäftsführung und Gewerkschaften scheuen sich, die Dinge beim Namen zu nennen: Neue Kriege, eingehend mit einem nachhaltigen Bedarf an qualitativ hochwertigem Flugmaterial für die Herstellung von Bombenteppichen, wären mit Sicherheit ein Segen für die Menschen in den betroffenen Regionen. Was sagt die Stoa zum Krieg im Allgemeinen?
Cicero bewahrt in seiner Schrift „de officiis“ eine nüchterne Haltung: „Aber da die meisten meinen, Leistungen im Kriege seien bedeutender als Leistungen im Frieden, muss dieser Meinung entgegengetreten werden. Denn viele suchten oft Kriege wegen des Verlangens nach Ruhm, und eine solche Handlungsweise kommt meistens bei Männern von großen Geistesgaben und Talenten, und das um so mehr, wenn sie für das Kriegswesen geeignet sind und begierig, Kriege zu führen; aber wenn wir wahrheitsgemäß urteilen wollen, so haben sich viele Leistungen im Frieden als bedeutsamer erwiesen denn Leistungen im Kriege.“

Trost der Stoa

Mit den Fragen nach dem gesunkenen Ansehen der Kriegskunst werden sich die entlassenen Mitarbeiter nicht befassen, denn das persönliche Schicksal steht über den philosophischen Erwägungen. Die Entlassenen blicken in eine schwierige Zukunft. Sie werden weniger Dinge anhäufen können. Was bleibt, ist der Trost der Philosophie:

„Nicht Armut schmerzt, sondern Begehrlichkeit“

(Epiktet)

10 commentaires sur “Krieg oder Stoa

  1. Merk doch mal, dass du mit deinem Stoizismus den von Armut bedrohten Arbeitern wieder nur ein ziemlich klägliches Angebot machen kannst.

    Zunächst sprichst du eine Abartigkeit der hier herrschenden Wirtschaftsweise an: Es gibt eine ganze Branche, die mit dem Leid und Tod von anderen ihr Geld verdient. Du bemerkst zu recht, dass das für die Mitarbeiter dieser Branche die widerliche Konsequenz hat, ein Interesse an Mord und Todschlag zu haben, insofern sie weiter beschäftigt werden wollen. Dir ist außerdem nicht fremd, dass die teilweise Überflüssigkeit dieses Gewerbes zu Arbeitslosigkeit führt. Und ganz selbstverständlich weißt du, dass Arbeitslosigkeit und Armut nicht weit voneinander entfernt liegen.

    An dieser Stelle gäbe es doch einiges zu kritisieren an der politischen und wirtschaftlichen Einrichtung dieser Welt: dass sich Staaten gegenseitig Konkurrenz machen und dabei Krieg für ein probates Mittel halten; dass sich die Aufwands- und Ertragsrechnungen von Unternehmen gleichgültig gegenüber dem Nutzen oder Schaden ihrer Produkte verhält; dass die Überflüssigkeit von Arbeit nicht etwa ein Segen für die arbeitende Menschheit ist, sondern Armut bedeutet etc.

    Als Stoizist machst du, wie ich unter deinem letzten Beitrag schon mal geschrieben habe, sofort einen Übergang vom individuellen Schaden zur INNEREN Bewältigung desselbigen. Statt dich mit der von dir angesprochenen Sache zu beschäftigen, statt dich zu fragen was es mit Krieg und Wirtschaft auf sich hat, wer davon profitiert und wer daran verarmt und krepiert, und ob man diese scheiss Verhältnisse nicht vielleicht ändern kann, statt dich also um die ÄUßERE Bewältigung des Schadens zu kümmern, ist dein Rat an die Leute, sich mit ihrem Leid abzufinden.

    Wenn ich neulich geschrieben habe, dass ich das für Menschenverachtend halte, dann kann ich dass hier nur noch mal wiederholen. Menschenverachtend ist das deswegen, weil diese Tour der Bewältigung alle äußeren Dinge, die den Leuten Leiden zufügen, ignoriert und als Schicksal abtut und diesem Sinne rechtfertigt.

    Der Stoizismus ist eben auch nur eine „Ethik der Ohnmacht“, wie Nietzsche sagen würde. Genaue müsste man sagen, eine „Ethik der eingebildeten Ohnmacht“. Denn für die Stoizisten ist von Anfang an klar, dass die äußere Welt gottgewolltes Schicksal, pardon, logosgewolltes Fatum ist. Herr ist der Einzelne immer nur über seine innere Haltung zu den Dingen.

    Dagegen meine ich: Ob man den jeweiligen Dingen tatsächlich so ausgeliefert ist, wie dem Tod und dem Wetter, weiß man doch erst, wenn man diese Dinge untersucht hat und zu dem Urteil kommt, dass dagegen nichts menschenmögliches zu machen ist, was ich für alle Dinge, die etwas mit Politik und Wirtschaft zu tun haben, glattweg bestreiten würde. Für den Stoizismus steht der Befund „kannste nix machen“ immer schon fest, weswegen man sich als Vertreter dieser Filosofie auch nicht erst mit der Sache beschäftigen muss, wie du in deinem Beispiel gezeigt hat.

    • „Merk doch mal, dass du mit deinem Stoizismus den von Armut bedrohten Arbeitern wieder nur ein ziemlich klägliches Angebot machen kannst. “
      Das ist leider wahr. Sie Stoa ist ja keine Heilslehre. Sie nimmt den Menschen, so wie er ist, und bietet ein wenig Trost an. Aber wenigstens ist sie ehrlich, und macht keine falschen Versprechungen.
      Dabei wird ja niemand davon abgehalten, sich um die äußeren Bedingungen zu kümmern, also die Verhältnisse zu ändern. Das Problem ist, dass man zur Änderung der Verhältnisse mit Methoden arbeiten muss, die eben die Verhältnisse geschaffen haben: Heilsversprechungen, Pauschalisierungen, Propaganda und allerlei Irrlehren muss aushalten, wer sich politisch engagiert. Nehmen wir mal Gandhi, der in der Art seines politischen Auftretens wohl auch ein Stoiker war. Er musste den Nationalismus fördern, um das Land gegen die britische Besatzung zu einen. Entstanden ist daraus dann der Konflikt zwischen Indien und Pakistan. Die beiden Länder haben heute Atomwaffen aufeinander gerichtet. Die Leistungen Gandhis sollen deswegen nicht in Frage gestellt werden, und niemand will in das Zeitalter des offenen Kolonialismus zurück (der Wirtschaftskolonialismus existriert ja noch). Aber es gibt nunmal keine Heiligen, auch nicht auf der guten Seite. Man kann nicht ausschließlich Gutes tun.

    • Das für den Stoiker der Befund „da kannste nichts machen“ immer schon fest steht ist glatter Unsinn. Du machst es dir in deiner Haltung gegenüber der stoischen Philisophie zu einfach. Es ist richtig das man bevor man sich mit dem eigendlichen Problem beschäftigt zu erst einmal feststellen muss ob es etwas ist was gänzlich in meiner Macht steht. Zu meist ist das bei den äußernen Dingen nicht der Fall. Das verbietet aber nicht eine kritische Haltung gegenüber dem Thema wenn man es z.B. für ethisch fragwürdig hält und schon gar nicht verbietet es eine Handlung dem entgegen zu wirken.
      Die Schlußfolgerung für den Stoiker als Person ist somit: Um alles zu können was wir wollen dürfen wir auch nur das wollen was wir können. Dies gilt in erster linie für die innere Einstellung und dann für die tatsächliche Umsetzung einer Handlung. Wenn die Natur einer Sache sich sträubt ist alle Mühe umsonst. Das gilt insbesondere für Dinge wie Krieg oder andere Kathastophen. Wir können nicht verhindern dass sie uns Treffen aber wir können verhindern das wir innerlich schaden leiden. Das entbindet aber keinen Stoiker von der Verantwortung Schäden und Leid zu mildern wo er kann und dazu in der Lage ist. Das wird er auch tun weil die Tugend ein sicherer weg zur Glückseeligkeit ist.

  2. Angesichts der Frage, ob etwas „gänzlich in meiner Macht steht“, muss man wirklich vor fast der ganzen Welt kapitulieren. Aber davon war bei mir ja gar nicht die Rede. Mir ging es um die Frage, ob eine Veränderung der einen oder anderen Sache überhaupt möglich ist. Dass es für viele Ziele schon den Einsatz einiger Leute braucht, war dabei schon mitgedacht. Man hat gehört, das ganz ganz viele Menschen mit dem gleichen Ziel sogar Regierungen zu Fall bringen oder Kriege beenden können. Zwischen den Dingen, die der Einzelne beeinflussen kann, und denen, die überhaupt niemand beeinflussen kann, liegen noch die Sachen, die der Mensch im Kollektiv verändern kann. Und letzere machen einfach den größten Teil der gesellschaftlichen Realität aus.

    Es ist einfach ziemlich anspruchslos und beschränkt, jedes Übel, dass einen trifft, danach zu befragen, ob man im Stande ist, es als Einzelner aus eigener Kraft abzuwehren, und bei negativer Antwort sofort sein diesbezügliches Bedürfnis zu verleugnen. Wieso sich nicht die Frage stellen, wieviel Gleichgesinnte man zusammenbringen muss, um das Übel doch zu beseitigen? Denkt euch mal beispielsweise die Schwarzenbewegung in den USA: Ja, als Einzelner stand da jeder dem Rassismus und der Diskriminierung ziemlich ohnmächtig gegenüber. Was hätte man als Stoizist den Leuten raten sollen? Etwa dass sie von ihrem Begehren nach ein bisschen Wohlstand, gesellschaftlicher Gleichstellung, oder auch nur körperlicher Unversehrtheit Abstand nehmen sollen? Das haben sie, anspruchsvoll wie sie waren, offensichtlich nicht gemacht, sondern sich organisiert und ein paar Sachen für sich verbessert.

    Dein Satz, dass man, um alles zu können, was man will, auch nur das wollen darf, was man kann, ist auch ziemlich dämlich. Es kommt nämlich kein einziger konkreter Willensinhalt in ihm vor, etwa ein ordentliches Einkommen, ein schöner Spaziergang oder ein kühles Pils. Was bleibt, ist nur der abstrakte Wunsch, seine Willensinhalte, gleich was sie auch sein mögen (!), in die Tat umsetzen zu können. Wer auf dieser Welt hat eigentlich diesen verrückten Anspruch? Man hat konkrete Bedürfnisse verschiedenster Art und sieht zu, einige von denen, je nach gegenwärtiger Priorität, zu befriedigen. Aber ein Bedürfnis, alle seine Bedürfnisse zu befriedigen, ist eine reine Erfindung von Moralphilosophen. Und weil diesen Wunsch niemand hat (außer ein paar Philosophen, während sie die Augen geschlossen haben und nachdenken), wird es auch niemandem einleuchten, nur noch nach dem zu Verlangen, was auch umsetzbar ist, ganz gleich was es ist.

    • Nun ich glaube, dass die Stoiker, trotz der Herabsetzung der Äußeren Umstände, doch diejenigen waren, die bisher den größten Einfluss auf Politik und Gesellschaft ausgeübt haben. Getreu dem Motto von Platon, dass die Philosophen Könige und die Könige Philosophen sein sollten, führte Seneca 5 Jahre das Römische Reich kommissarisch (Nero war damals noch ein Kind). Marc Aurel war wie bekannt sogar römischer Kaiser. In den letzten Jahrhunderten dagegen zeigten sich Philosophen dann meist nur noch auf Universitäten. Aber dazu sagte sehr richtig H.D. Thoreau: „Es gibt keine Philosophen mehr, nur noch Philosophieprofessoren.“

      Der Einwurf von filosof2000 mit der Frage „wie viel Gleichgesinnte man zusammenbringen muss, um das Übel doch zu beseitigen?“ hat mich neugierig gemacht. Zweifellos gibt es in dieser Welt viele Dinge die es wert sind verändert zu werden. Das Beispiel der Schwarzenbewegung in den USA passt da sehr gut. Ergänzen möchte ich noch zahlreiche Revolutionen, die es auf dieser Welt zahlreich schon gegeben hat. Die Stoßrichtung dabei ist meines Erachtens immer: Befreiung VON z.B. Unterdrückung, Ausbeutung, Tyrannei etc. Im Ergebnis haben wir dann oft dass die eigentlichen Revolutionäre Opfer der eigenen Revolution wurden. Einige Zeit später ist die Situation wieder wie gehabt. Die Revolutionäre sind dabei entweder umgekommen, vertrieben oder marginalisiert. Die französische Revolution sollte die Befreiung VON dem feudalabsolutistischen System bringen und brachte Napoleon. Die Novemberrevolution 1918 sollte Befreiung VON der Tyrannei des Zaren bringen und brachte die Tyrannei von Stalin. Was passierte mit Lenin, Trotzki und geschätzen 20 Millionen weiteren Menschen? Es geht auch etwas friedlicher: Im Jahre 1989 gingen in Ostdeutschland mehrere Menschen auf die Straße und wollten ursprünglich die DDR reformieren. Also Befreiung VON der damaligen Führungsriege der SED. Die ursprüngliche Bürgerbewegung und deren Vertreter sind meines Erachtens bis auf Herrn Gauck (aber welchen Einfluss hat der Bundespräsident) marginalisiert. Viel interessanter finde ich doch die Denkrichtung: Freiheit FÜR z.B. eine neue Gesellschaft. Das bedeutet das neue Modell muss schon in den Köpfen fertig konstruiert sein und nicht wir hauen erstmal das System um und dann schauen wir mal. Die Stoiker haben hier meines Erachtens diese Perspektive. Haben Sie sehr geehrter filosof2000 da eventuell auch eine Idee wie Ihre Gesellschaft aussehen soll?
      Dieses Innere Bild halte ich für elementar wichtig. Es gilt dieses dann in dem Maße wie es möglich ist ins Außen zu bringen. Und da haben wir die Aufgabe uns bewusst zu machen welchen Einfluss wir in diesem Moment haben. Meistens muss man ganz klein und bei sich anfangen. Seneca sagt hierzu: „Ich halte Einkehr bei mir SELBST und erneure mich in der Stille des Inneren.“
      Erst dann kann ich (und wir alle) Schritt für Schritt die Außenwelt – unsere Gesellschaft – verändern.

    • Nun der Satz ist ja allgemein formuliert um ihn auf verschiedene Willenserklärungen anwenden zu können. Wenn ich durstig binn und mich nach einem kühlen Pils verzehre, aber nicht genug Geld habe um mir eines zu leisten, so darf ich den Wunsch nach Bier nicht weiter verfolgen sondern muss mit Wasser vorlieb nehmen.
      So viel zu dem Satz. Nun zu der Frage wer auf der Welt den Anspruch erhebt seine Willensvorstellungen umzusetzten. Im Prinzip jeder Mensch und auch die Paar Moralphilosophen die ich mal zu selbigen dazu zähle. Denn alle Menschen streben nach Glück. Glücklich sind wir Menschen wenn alle unsere Wünsche sich erfüllen und all das vermeiden können was wir nicht mögen. Unglücklich sind wir wenn Lücken auftreten zwischen unseren Wünschen und der Realität. Wir wissen aber auch das sich alle Begehren nicht erfüllen können. Der Mensch muss also etwas ändern, da sich die äußernen Umstände nicht belibig ändern lassen kann dies nur die eigenen Wünsche betreffen und damit die Einstellung zu uns selbst und der Welt. Und Schau da luckt auch schon der Satz wider um die Ecke!

      Ich gebe zu dieses Ziel ist anspruchsvoll und man kann sich nie sicher sein ob man richtig liegt. Aber in dieser Welt die immer hecktischer und komplizierter wird haben mich die lehren des späten Stoizismus mehr moralisch Aufgerichtet und durch manche schwirige Zeit gebracht als andere.

      Die großen Hoffnungen mancher Revolutionen haben sich in vielen Fällen meist zerschlagen, ich habe es daher aufgegeben auf Platons Idialstaat zu hoffen und bin froh wenn es schon ein bischen vorrann geht.

  3. @claudius

    Wenn du es für gegeben hältst, nur das zu wollen, was du auch umsetzen kannst, dann geht es dir doch gar nicht um ein bestimmtes Bedürfnis. Erst willst du ein Pils, stellst fest, dass du es nicht bekommen kannst und ärgerst dich darüber. Jetzt wendest du Trick 17 an und wünschst dir nur Wasser. Und hurra, dieses Bedürfnis lässt sich leicht erfüllen. Worüber hast du dich dann eigentlich gefreut? Über das Wasser oder über den Umstand, irgendein Bedürfnis befriedigt zu haben? Vom Standpunkt deiner konkreten, dh. inhaltlich bestimmten Bedürfnisse aus (Pils) ist es doch absurd, nur das zu wollen, was man auch umsetzten kann (Wasser). Es ist doch gerade die Negation deines Wunsches nach einem Pils und nicht dessen Erfüllung. Da wirst du mir ja wahrscheinlich zustimmen. Um was geht es dir also in deinem Satz? Einfach um das Bedürfnisbefriedigen an sich! Welchen Inhalt die Bedürfnisse haben, ist dir dabei ganz egal, Hauptsache sie lassen sich erfüllen. „Bedürfnis“ ist bei dir nur eine leere Abstraktion. Das Bedürfnisbefriedigen ist in deiner Idee selbst zu einem Bedürfnis geworden. Und das ist absurd, dieses Anliegen hat niemand.

    • @filosof2000

      Du hast recht wenn du sagst das es mir nicht expliziet um ein bestimmtes Bedürfnis geht außer vieleicht in diesem Beispiel den Durst zu stillen. Aber warum sollte ich mich ärgern über die Tatsache, dass ich mir kein Bier genehmigen kann? (Ich verbleibe mal bei dem Beispiel) Wenn doch für eine glückliche Einstellung so wenig erforderlich ist, bedarf es keiner speziellen äußeren Gegebenheiten, sondern nur einer Korrektur meiner Wünsche. Oder wenn du möchtest einer Zurückstellung auf bessere Zeiten. Auf die man im Leben immer hinarbeiteten sollte.
      Solch eine Einstellung ist meines erachtens nur Vernüftig, denn man wendet sich in Realismus und Nüchternheit dem zu was Notwendig ist und lässt anderes beiseite.

      Nun hab ich noch eine Frage zu deinem letzten Satz, dass die Befriedigung des Bedürfnis selbst kein Bedürfnis ist. Was ist sie dann? Du sagst das Bedürfnis ist keine leere Abstraktion!
      Ich sage sie muss in der Vorstellung abstrakt Sein, da es Aufgabe der Vernunft ist sie mit Inhalt zu füllen.
      Ansonsten würden wir nur von unseren Affekten gesteuert und sinken zu rohen Tierheit.

  4. @owl

    1. Ich habe an der stoischen Ethik kritisiert, dass sie sich mit den Übeln der Welt im inneren Abfinden will, anstatt sich um die äußere Bewältigung dieser zu kümmern. Wenn du nun feststellst, dass die Chefideologen der Stoa selbst große Praktiker waren, dann ist das noch längst kein Beweis für die Praxisfreude dieser Ethik. Das kann nämlich auch einfach nur bedeuten, dass diese Leute ihre Lehre nicht besonders konsequent befolgt haben. Das stellt allerdings nicht die Glaubwürdigkeit dieser Kollegen in Frage, sondern die stoische Ethik selbst, von der ich meine, dass die eh niemand wirklich befolgen kann. Wenn du was gegen meine Rede sagen willst, musst du das schon im Rahmen dieser Lehre tun. Oder anders gesagt: Die Handlungen von Vertretern einer bestimmten Philosophie sind einfach kein Beweis für oder gegen ihre Lehren.

    2. „Haben Sie sehr geehrter filosof2000 da eventuell auch eine Idee wie Ihre Gesellschaft aussehen soll?“ Die Argumente, die ich gegen stoizistische Gedanken vorgebracht habe, hängen doch nicht davon ab, ob ich mir die Welt schöner ausmalen kann oder nicht. Wenn ich jetzt sage, dass ich mir leider nicht vorstellen kann, wie eine gute Gesellschaft aussehen soll, sind dann meine Einwände, wie ich sie meinen Beiträgen formuliert habe, widerlegt?

    • Nein, Ihre Einwände sind keineswegs widerlegt. Das war auch nicht meine Absicht. Natürlich kann man auch die Stoa selbst kritisieren. Sie befinden sich da übrigens in guter Gesellschaft. Selbst Seneca zitierte oft Epikur obwohl es eine regelrechte Feindschaft zwischen diesen beiden Denkrichtungen gab.
      Nein, mein eigentliches Interesse gilt dem was hinter Ihren Einwänden gegen die Stoa steht. Ich habe einfach das Gefühl dass es Ihnen nicht um bloße Kritik einer Denkrichtung geht, sondern darum etwas zu verändern. Das hätte doch dann wirklich was mit Praxis zu tun, oder? Ich glaube Irgendetwas ist für Sie in dieser Gesellschaft nicht stimmig. Deshalb nehmen es vermutlich der Stoa übel, dass Sie sich um diese Probleme im Außen nicht kümmern will (was ich bezweifle). Nur mal angenommen, die stoische Ethik kann, wie Sie sagen, keiner befolgen. Welche Ethik wäre denn, Ihrer Meinung nach, befolgbar?

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