Von Limburg nach Lampedusa

stoiker-limburg, die Welt schaut auf dich. Der Bischof Tebartz-van Elst ist derzeit in allen Schlagzeilen. Vielleicht ist daran auch der neue Papst Franziskus schuld, der den Katholiken ein bescheidenes, stoisches Lebensideal präsentiert. Bischof Tebartz-van Elst dagegen hält wenig von der Bescheidenheit. Seine Limburger Bischofsresidenz verschlingt viel Geld. Damit hätte man allen Obdachlosen im Bistum Limburg für die nächsten 20 Jahre eine würdige Unterkunft schaffen können. Aber der Kontrast zwischen dem verschwenderischen Bischof und dem stoischen Papst wirft  auch eine grundsätzliche Frage auf:Ist die Kirche auf Glanz und Reichtum angewiesen, um so viele Anhänger um sich zu scharen und zu behalten? Ein Blick auf die Lage der Philosophie lässt darauf schließen.

Kirche und Philosophie

Außerhalb der Universitäten hat die Philosophie sehr wenig Bedeutung. Zwar überlebt sie in Büchern und im Internet, aber philosophische Fragen werden nicht öffentlich diskutiert. Wer in einer Kneipe über Politik spricht, darf bleiben. Wer über Philsosophie diskutiert, fliegt raus. Oder er gilt als betrunken. Eine Nische hat die Philosophie in der Kirche gefunden. Theologen dürfen philosophisch denken und Priester Philosophisches von der Kanzel predigen. Woher resultiert diese Akzeptanz? Doch auch aus dem würdigen Rahmen, den schönen Kirchengebäuden und den dahinter verborgenen finanziellen Strukturen.

Strukturen der Philosophie

Die Philosophie könnte auf die Kirche neidisch sein, denn sie hat keine Tempel und keine professionellen Strukturen. Doch die Stoiker tun gut daran, sich zu mäßigen, und keine Strukturen einzufordern. Doch womit sind die prachtvollen Kathedralen erkauft? Das Gold der europäischen Kirchen wurde aus Südamerika geraubt. Der Wohlstand des europäischen Kontinents geht einher mit weltweit ungerechten Handelsstrukturen. Wir Europäer sind  nicht fleißiger als die Menschen in China, Bangladesh oder Nigeria. Aber wir haben uns mit den Eliten der dortigen Länder verbündet – zu unserem Vorteil und dem Vorteil der dortigen Oligarchie. Am Glanz klebt Blut – auch am Glanz der Kirche.

Limburg und Lampedusa

Papst Franziskus hat den Widerspruch zwischen Reichtum und Christentum erkannt. Deshalb fährt er nach Lampedusa, und nicht nach Limburg. Dort, wo die Leichen der Glücksritter aus Afrika an den Strand gespült werden, ist sein Platz. Er meint es ernst mit dem Gedanken der Brüderlickeit. Und doch, ohne den Reichtum des Katholizismus würde Franziskus gar nicht wahrgenommen werden.

2 commentaires sur “Von Limburg nach Lampedusa

  1. Ein Artikel, der sehr schön anfängt. Dann aber im Teil „Strukturen der Philosophie“ ins allgemeine Klagen übergeht und nebenbei historisch auch nicht gut recherchiert. Reichtum ist nebenbei nichts schlechtes, siehe Seneca.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.