Reiche Kirche – arme Philosophie

Prächtig mit Gebäuden, Ämtern, Privilegien, Wirtschaftsunternehmen und Kapitalanlagen ausgestattet ist die Kirche – die Philosophie dagegen fristet ein im Vergleich kärgliches materielles Dasein. Ob man dies beklagen soll? Vor 2000 Jahren, zur Gründungszeit des Christentums, war die Situation umgekehrt. Die Christen wurden im Römischen Imperium verfolgt, die Stoa unter Seneca und Mark Aurel hingegen hatte sich als Staatsphilosophie etabliert. Vielleicht ist die Stoa am Erfolg zugrunde gegangen?

Der Preis des Erfolgs

Im Schlepptau des Erfolges wachsen die organisatorischen Strukturen, und in den Strukturen wachsen diejenigen Kräfte, die sich gerne als Ruderer auf einem Schiff betätigen, ohne den Kurs zu hinterfragen. Kommen dann neue Steuermänner hinzu, kann das Schiff in jede beliebige Richtung manövriert werden.
Die Stoa kämpft nicht wie die Kirche um eine Ausweitung ihrer Macht, sie hält sich klein. Philosophie wird im Gegensatz zur Kirche wenig gehört, doch dies schützt  ihren inhaltlichen Kern. Sie überlebt in den Büchern und im Stillen, ohne Bodyguards und Businessplan. Es scheint, als habe der neue Papst Franziskus erkannt, in welche Schwäche sich die Kirche, sofern sie sich noch auf die Bergpredigt bezieht, aufgrund ihrer Reichtümer und ihrer starken Strukturen manövriert hat. Ob ihm die kirchlichen Funktionsträger dies verzeihen, ist eine andere Frage. Für sie gelten eigene Leitsätze: Selig sind die Hierarchien.

5 commentaires sur “Reiche Kirche – arme Philosophie

  1. Für mich macht es gerade den Reiz der Philosophie aus, dass sie im Gegensatz zu den religiösen Heilsverprechungenen, eher bescheiden und still daherkommt. Man kann sie für sich studieren unter dem Lampenlicht des Privaten, ähnlich einem guten Freund der seine Ratschläge stehts im ruhigen Ton dem Freunde zukommen lässt.

    • Andererseits frage ich mich, warum die Philosophie nicht wenigstens eine minimale Struktur außerhalb der Universitäten und Buchläden errichten konnte. Geht das nicht ohne Heilsversprechen, Ideologie und Beamtenschaft?

      • Mir persönlich würde es schon reichen wenn sich für die Philosophie an sich eine breitere Masse begeistern würde. Es ist aber zur Zeit einfach nicht gefragt sich mit dererlei Gedankengut zu beschäftigen. Bekennt man sich dazu so bleiben misstrauische Blicke und abschätzige Bemerkungen nicht aus. Dies haben die Phielosophen teils mit verschuldet, in dem sie sich, größtenteils im letzten Jahrhundert, zu praxisfern gebärdet haben. Vielleicht ist in diesem Gedanken der Grund zu suchen wesshalb die Philosophie außerhalb von Universitäten so ein klägliches Dasein führt.

      • Ich denke, man kann eine Philosophischen Richtung nicht mit einer Kirche vergleichen. Die organisatorische Genese ist eine gänzlich andere, ebenso wie die Geschichte und der Anspruch auf Lebenseinfluss.

        Höchstens könnte man bei einer Philosophischen Richtung an eine Schule/Akademie/Verein denken, die es sich zur Aufgabe macht, diese Richtung unter den Menschen zu verbreiten. Für Breitenwirkung muss sie dafür aber aus dem Elfenbeinturn der Unis raus. Ansätze, die es dafür gibt, werden aber nicht genug aufgenommen. Auch weil man an der Uni, so erfahre ich es in meinem Bereich oft, über die Populärwissenschaftler oft die Nase rümpft.

  2. Ich beschäftige mich erst seit kurzem mit der Stoa, meine geistliche Heimat ist eigentlich das Christentum. Soweit ich den Einblick habe, ist der Begriff Gott der Stoa nicht fremd. In dieser Richtigung will ich mich noch weiter informieren. Ich denke mir, dass der Stoa ein Gott als handelnder und aktiver Gott, der aktiv die Weltgeschichte mit gestaltet, fremd ist. Dies muss kein Nachteil sein. Wichtig um eine größere Resonanz zu bekommen ist auch die Frage nach dem Tod, was ist seine Bedeutung und welchen Trost kann die Stoa den Menschen hier geben. Wie ich es verstehe ist es das akzeptieren des Gott gegebenen Schicksals. Hat das dann nicht ähnliche Folgen wie die christliche Prädestinationslehre von Calvin? Gibt es darüber Untersuchungen oder Gedanken? In Berührung mit der Stoa bin ich gekommen durch Anselm Grün, der einen kleinen Einblick gibt durch sein Buch ‘Tu dir doch nicht selber weh’.

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