Wikipedia und der Tod

stoiker-wikipedia berichtet über das Ideal des Stoischen Weisen: "Heute wird das Ideal des stoischen Weisen als strukturell inhuman kritisiert: Der stoische Weise wird zwar beispielsweise ein Kind aus einem brennenden Haus retten, aber nicht um des Kindes willen, sondern um selbst das Rechte zu tun; sollte sein Rettungsversuch scheitern und das Kind sterben, würde der stoische Weise kein Bedauern empfinden, da er eo ipso frei von störenden Affekten wäre, da zweitens der Tod auch für das Kind ja kein Übel sei, und da drittens der Tod des Kindes von der Vorsehung veranlasst wäre, die mit dem die Welt durchwaltenden göttlichen Logos identisch sei."

Stoischer Kommentar:

Der Wikipedia-Artikel verschweigt die Vorgeschichte. Weiß man, warum das Haus brennt? Wer war so töricht, es aus Wut anzuzünden? Mit Sicherheit eher ein fanatischer Narr als ein Stoischer Weiser. Zudem, ein Kind ist aus dem bescheidenen Haus eines Stoikers schnell herausgetragen. Zur Trauer schreibt Epiktet im Handbüchlein (Encheiridion): "Wenn du dein Kind oder Weib herzest, so sage dir, daß du einen Menschen herzest. Stirbt er, so wird es dich nicht anfechten". Ist Menschenliebe inhuman?

2 commentaires sur “Wikipedia und der Tod

  1. Der ganze Artikel in der Wikipedia bedarf einer Überarbeitung, ist er doch ziemlich einseitig negativ formuliert. Ein jedes Ideal muss in seinem Kern etwas unmögliches haben sonst taugt es nicht als Ideal und wäre daher auch nicht erstrebenswert.

    Ich verstehe auch nicht wesshalb der Weise im Falle des brennenden Hauses inhuman sei. Schlieslich hat er versucht das Kind zu retten (mehr als mancherlei Mensch getan hätte). Scheitert dieser Rettungsversuch so nützt es weder dem Kind noch dem Weisen wenn er danach weinent durch die Straßen rennt. Das hört sich für manch einen herzlos an ist es aber keines wegs. Die Art des Verhaltens des Weisen nach einenm missglücktem Rettungsversuch wäre die realitäten anzuerkennen und den Trost zu Hand zu haben, das es im Sinne des Logos sei, damit man nicht aus Verzweiflung und Vorwürfen gegen sich selbst unglücklich werde, denn jeder hat sein Glück selbst in der Hand. Vielleicht würde er noch die Angehörigen trösten sich aber hüten innerlich mit ihnen zu seufzen.

    Und warum ist es verwerflich jemanden zu helfen weil man selbst das rechte tun will? Ist das kein genügender Antrieb für eine Tat? Dem Kind ist dies schließlich einerlei, es will gerettet werden.

    PS: Übrigens ein sehr schöner Blog.

  2. Danke für das Mitlesen. Man darf als Stoiker Ideale haben, und jedes Ideal darf eine Kern von Utopie enthalten. Sonst wäre es ja keines.

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